Impressum    Datenschutzerklärung
TEXTE
Texte von Reuter
Zu meinen Bildern (1971)
Documenta-Raumobjekt (1977)
Zum Studium der Kunst (1990)
Zum Quadrat (1990)
Licht (1994)
Bilder im Museum (1995)
Von Hölderlin zu
Malewitsch (2004)
KAISERBLAU im Kaisersaal des Reichtstagspräsidentenpalais


Das Reichtstagspräsidentenpalais wurde von Paul Wallot nach Fertigstellung des Reichstages als Wohn- und Repräsentationsgebäude für dessen Präsidenten erbaut. Seine Räume werden heute von der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft genutzt. Allein der Kaisersaal hat seine ursprüngliche Zuordnung behalten. Er ist wieder wie früher der Empfangs- und Bankettsaal des Bundestagspräsidenten.
Als ich den Kaisersaal 2001 zum ersten Mal sah, war ich enttäuscht. Obwohl er 1999 neu gestaltet worden war, wirkte der Raum weder festlich noch sonst auf irgendeine Weise einladend. Ein dunkler, drei Meter hoher, unprofilierter Nussbaumsockel und ein riesiges gerastertes Akustiksegel, das unter die gewölbte Decke abgehängt worden war, dominierten den Festsaal. Von dieser Akustikkonstruktion, die ebenfalls aus Holz war, aber einen anderen Farbton hatte, hingen drei Kronleuchter herab und auf dem Boden lag ein raumgroßer roter Teppich.
Das passte alles nicht richtig zusammen. Da die Kronleuchter und der Teppich eine ganz andere Welt repräsentierten, als die massiven Holzeinbauten, konnte auch kein schöner Raumklang entstehen.
Da es unmöglich war, auch nur eine dieser divergierenden Einbauten zu verändern, musste ich mich mit ihnen abfinden. Mir war schnell klar, dass ich bei diesen Vorraussetzungen nur mit einem Gesamtkonzept und nicht mit einem oder mehreren Einzelkunstwerken arbeiten konnte. Ich entschied mich also, nicht gegen, sondern mit dem bereits vorhandenen Raumgefüge zu arbeiten. Folglich musste ich den schweren, dunklen Holzsockel als gegeben hinnehmen und versuchen, ihm in meiner Arbeit einen Sinn zu geben. Er wurde zur Erde und darüber sollte sich ein Himmel öffnen, in dem das Segel wie ein Ufo schweben könnte.
Mit meiner Installation wollte ich dem Saal kein weiteres isoliertes Raumteil hinzufügen. Ich wollte vielmehr versuchen, die sich widersprechenden Einbauten und Möblierungen durch meine Installation zu einer Einheit werden zu lassen, ohne Abstriche am Anspruch der Arbeit als Kunst-Werk machen zu müssen. Das Ziel war ein festlicher Raumklang.
Wäre der Holzsockel und das Deckengebilde nicht so groß, dunkel und schwer gewesen, hätten die ursprünglich geplanten 1800 Einzelobjekten ausgereicht, um auf der 160 qm großen Wandfläche eine gleichgewichtige Arbeit zu installieren. So aber zwangen mich die beiden massiven Holzgebilde, mit meiner Himmelsarbeit immer üppiger und sternenreicher zu werden. Zum Schluß bestand meine Sterneninstallation aus 7917 einzelnen Objekten.
Welche mathematische Systematik hinter der Fülle von unterschiedlichen Würfelsternen steht und wie der Vorgang der Installation ablief, darüber habe ich 2002, direkt nach Beendigung der Arbeit, einen längeren Text geschrieben, der auf meiner Homepage nachzulesen ist.
KAISERBLAU ist offen für die unterschiedlichsten Interpretationen und Assoziation. Wobei diese oft mehr über den Betrachter aussagen, als über das Kunstwerk selbst. Ich denke, diese Arbeit weder interpretieren noch erklären zu müssen, da sie dies, dem interessierten Betrachter gegenüber, selbst tut. Trotzdem noch einige Sätze aus meiner Sicht.
Die Installation war nur in ihrer Grundstruktur vorgeplant. Ihre jetzige Form erhielt sie in der direkten Reaktion auf das bereits vorhandene Raumgefüge. Sie wuchs und wuchs so lange, bis sie mit den dominierenden Holzeinbauten im Gleichgewicht war. Die Arbeit ist dadurch sowohl asketisch konstruktiv als auch genussvoll lebendig geworden, denn sie besteht einerseits nur aus der Variation einer Form und einer Farbe ( Quadrat und Ultramarinblau ), erscheint aber andererseits durch ihre Tausende von Einzelteilen überbordend barock und auf den ersten Blick völlig chaotisch. Damit entspricht sie genau meinem Satz:
‚Das Quadrat ist die beste Verpackung für die Fantasie’.

Lauf im August 2010




Gebet und Raum (2003)
Erscheinung in
Sigmaringen (2008)
Raumstationen I - VI (2010)
KAISERBLAU (2010)
Weitere Texte
Trompe l’oeil (2012)