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TEXTE
Texte über Reuter
Reuters Raster
Götz Adriani
Die Zeichnungen
Klaus Honnef
Die Aquarelle
Eduard Beaucamp
Konkrete Illusion
Lucius Grisebach
Reuters Räume,
Reuters Sterne
Klaus Gallwitz
Reuters Raster


Hans Peter Reuter ist als „der blaue Reuter“ längst zum Begriff geworden. Auch Kacheln und Fliesen werden mit seinem Namen in Verbindung gebracht – ähnlich den Sonnenblumen, die im Zeitalter der Markenzeichen für van Gogh herhalten müssen, oder den Tänzerinnen, die für Degas stehen. Die blau gekachelten Illusionsräume Reuters wurden zur festen Größe.

Solche groben Begriffsraster haben den Vorteil der raschen Assoziation, sie vermögen jedoch kaum einem Werk gerecht zu werden, das in über 30 Jahren erarbeitet wurde. Mit derartigen Pauschalierungen ist allenfalls der vordergründigste gemeinsame Nenner der zahlreichen Bilder benannt, die in einer langen Karriere gemalt wurden. Reuters Raster jedoch ist vielschichtiger und differenzierter. Es reicht vom Quadrat als der kleinsten Einheit bis zu raffiniert gerasterten Raumfluchten, die grenzenlose Ausdehnungen ermöglichen. Zu seinen mathematisch hochgerechneten, zentralperspektivischen Erkundungen von Flächen und Räumen tritt das Licht als zentrales Medium. Dieses allerdings paßt in kein Raster, es widersetzt sich jeder Festlegung und bleibt geheimnisvoll, gerade auch im Bezug auf jene kühlen, makellosen Interieurs, die eine zeitgenössische Entsprechung darstellen mögen zu den grandiosen, barocken Himmelsarchitekturen eines Pozzo oder den klaustrophobischen Raumschwüngen Piranesis. Ohne Reuters spezifisches Licht wären seine Räume nicht einsehbar und ohne deren besondere Rasterstrukturen könnte das Licht seine konstituierenden Eigenschaften nicht entfalten. Obwohl der Maler die Räume, die mit Nischen und Nebensegmenten ausgestattet sein können oder von Pfeilern unterteilte, raumgreifende Hallen suggerieren, ganz aus der Phantasie entstehen läßt, und er sie von jeder Funktion frei hält, meint man, auch an bestimmte Vorgaben erinnert zu werden. So etwa an die justinianische Zisterne in Konstantinopel, wo sich in gigantischen, unterirdischen Hallen hoch aufragende antike Säulenreihen im Wasser spiegeln und dadurch ganz irreale Raumkonstellationen zustande kommen, denen nichts mehr von einem schnöden Wasserreservoir eigen ist.

Das Erstaunliche bei Reuters Bildern ist, daß es ihm gelingt, den eigentlich massiven Wänden und Decken seiner Bildräume eine eigenartige Schwerelosigkeit und Diaphanität zu verleihen. Zugleich umschließen und reflektieren sie das Licht. Die Raster sind dabei eine Möglichkeit, einen Unendlichkeitsbegriff anschaulich zu machen. Zusammen mit der Lichtfülle trägt ein geradezu kosmisches Ultramarin das seine dazu bei, die Raumsuggestionen unwirklich erscheinen zu lassen. Erst jüngst überraschte der Künstler mit Quasiraumobjekten in tiefem Blau, die zu imaginären Farbwürfeln geworden, meteoritengleich vor weißen Lichtgründen schweben, so daß sich reale Wände ins Unendliche zu öffnen scheinen. Sie vermitteln den Eindruck, als seien perspektivische Raumentwicklungen zu plastischen Farbreliefs umgekehrt worden, um die so gebildeten Raumkörper als Asteroidenschwärme gleichsam in alle Himmelsrichtungen zu zerstreuen.

Hans Peter Reuter hat sich der Auslotung eines Motivs verschrieben. Diese scheinbare Einschränkung geriet ihm zum Ausgangspunkt für ein variantenreiches, konsequent vollzogenes Gesamtwerk.

Götz Adriani im Juni 2002



Chaos und Ordnung
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